«Bilderkennen - Bildempfinden» / Zur Rezeption von Fotografie in Ausstellungen

Projekt in Planung. Voraussichtliche Projektdauer: 2009-2011.
Leitung: Matthias Vogel
Mitarbeit: Ulrich Binder
Das Forschungsprojekt baut auf den Erkenntnissen von mehreren vorangegangenen Untersuchungen auf, die ihm Rahmen des ith erfolgten und bei denen auch die genaue Beobachtung der Funktion und des Umgangs mit Fotografie im Zentrum stand. In einem Forschungsvorhaben wurde die Konstruktion von Frauenbildern in der Schweizer Presse („Das tägliche Frauenbild“, Zürich: ith, 2002) analysiert, in einem anderen die Aufbewahrung und Speicherung fotografischer Bilder und ihre Folgen für das Visuelle Gedächtnis („Das Menschenbild im Bildarchiv“, Zürich: Limmat Verlag, 2006). Das unmittelbare Vorgängerprojekt befasst mit der Verschiebung fotografischer Bestände von einem medialen Kontext in einen andern (etwa aus dem Archiv ins Museum) und den daraus sich ergebenden Veränderungen in der Bedeutungsstruktur von Bildern („Made in Transition“, Zürich, Limmat Verlag, voraussichtlich 2009). Diese Untersuchung konzentriert sich auf Ausstellungsereignisse, da aus diesem Anlass Fotografien in ganz verschiedene mediale Kanäle – vom traditionellen Katalog bis zum Internetauftritt - verschoben bzw. entsprechend umformatiert werden.
Angesichts der grossen Migrationsbewegungen von Fotobeständen stellte sich die Frage, ob und wie das Publikum diese Veränderungen wahrnimmt. Ob die Verschiebung von Bildern in völlig absichtsferne Präsentationssituationen vom Rezipienten erkannt und geschätzt wird oder ob das mediale Grossformat Fotografie sich die ursprünglich sehr differenten Gebrauchsformen gleichsam wieder einverleibt. Die ungebrochene Popularität von Fotoausstellungen, die beliebte Verwendung von Fotografie in musealen Präsentationen lässt zumindest darauf schliessen, dass Fotografie «verstanden» wird. Ohne die hinlänglich bekannten fototheoretischen Positionen zu ignorieren, möchten wir genau hier nochmals nachfragen, und dies direkt beim Publikum, bei den zahlreichen Betrachtern. Es geht darum dieses «Verstehen» empirisch zu beobachten und in Anlehnung an die etablierte Medienwirkungsforschung zu einer «Ausstellungswirkungsanalyse» zu verdichten. Dabei muss notwendigerweise die ganze Präsentations- und Rezeptionssituation ins Blickfeld rücken, das Display, die Rahmung, die Bildorganisation plus Bildlegende ebenso wie die sozio-physiologischen und psychologischen Voraussetzungen der Betrachter.