Institut für Theorie / Ein Forschungsinstitut der Zürcher Hochschule der Künste
 

Repräsentative Gewalt

François Bunel, La Procession de la Ligue, 1590-93
François Bunel, La Procession de la Ligue, 1590-93

Repräsentative Gewalt
Ein Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Institut für Theorie (ith) der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. Das Projekt wird unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds snf . Es beginnt am 1. Juli 2009 und endet am 30. Juni 2012.

Leitung: Ludger Schwarte

Forschungsziel/Projektbeschrieb
Das Forschungsprojekt untersucht die Performanz der Gewalt, insofern diese ein Strukturelement der Repräsentation von Macht ist. Ob in demonstrativen oder bloß angedrohten Gewaltakten, ob durch die Symbolik des Grausamen, durch die Inszenierung von Krisen oder die nüchterne Ästhetik von Selektion und Korrektion: die wirklichkeitsgenerierende Wirkung der Gewalt wohnt auch den repräsentativen Akten moderner Machtsysteme inne. Unsere Hypothese ist, dass eine Politik der Repräsentation die Ausübung von Gewalt nicht ablöst oder gar ausschließt, sondern im Gegenteil auf die Inszenierung spezifischer Gewaltakte angewiesen ist.

Wenn man der Inszenierung der Gewalt in jüngster Zeit zunehmende Aufmerksamkeit gewidmet hat, so sind in der Forschung zwei Aspekte unberücksichtigt geblieben:nämlich erstens die Notwendigkeit von inszenierten Gewaltanwendungen auch innerhalb von Repräsentationssystemen, die sich lediglich durch strukturelle bzw. symbolische Gewalt auszuzeichnen schienen, und zweitens die Symbolik der Gegengewalt, die strukturell auf das Repräsentationssystem bezogen ist, das sie bekämpft.

In einem ersten Schritt sollen daher die einschlägigen Macht-Theorien Bourdieus, Foucaults und Marins untersucht werden, um darauf aufbauend ein genaueres Verständnis der Gewaltsymbolik in der Herrschaftsrepräsentation zu erwerben. Damit will das Projekt einen Beitrag zur Klärung der Frage liefern, inwiefern Gewalt durch Repräsentation zur Macht transformiert wird. Zentrales Beispiel ist hier die Theorie des Staatsstreichs als gewaltsame Durchsetzung der Staatsräson.

In einem zweiten Schritt soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern auf symbolischer Gewalt beruhende soziale Ordnungen das Muster für „symbolische Gegengewalt" abgeben. Die Symbolik der Gegengewalt lässt sich beispielsweise am Umstürzen der Königsstatue erkennen oder in der Übernahme von Prinzipien des Staatsterrors durch revolutionäre oder Partisanengruppen.
Gegenstand unserer Forschung in diesem zweiten Unterprojekt soll daher eine „Kulturgeschichte der Demonstration" als Beispiel der Politik der Strasse sein.

Bevor derartige Fälle untersucht werden können, muss die Fragestellung philosophisch ausgearbeitet werden: Wie lassen sich Macht und Gewalt begrifflich fassen? Geht Macht aus Repräsentationen hervor? Wie verhalten sich die Begriffe „strukturelle", „symbolische" und „repräsentative" Gewalt zueinander? Was ist die Rolle der Architekturen, Techniken und Artefakte bei der Inszenierung von Gewalt? Inwiefern strukturiert die performative Kraft von Repräsentationen soziale Handlungsfelder, inwiefern macht sie unumgängliche Vorgaben, inwiefern eignet ihr gar ein Befehlscharakter, der alle Erscheinenkönnen und jede Identifikation beherrscht? Warum greift das Aufbegehren gegen moderne Machtsysteme nicht zum strategischen Mittel des Tyrannenmords oder der Fede, sondern artikuliert sich durch „blinde", symbolisch aufgeladene Gewaltakte? Werden durch die Zerstörung von Machtsymbolen Ansprüche auf soziale Repräsentation artikuliert, die das System der Repräsentation nicht grundsätzlich in Frage stellen, sondern vielmehr erhalten?

Die Klärung derartiger theoretischer Grundfragen nach „Gewalt als symbolische Form", nach repräsentativen Gewaltakten und nach Inszenierungsmustern der Gegengewalt soll durch detaillierte Fallstudien in den Unterprojekten materialreich unterstützt und überprüft werden.

Projektteam: Francesca Falk, Roberto Nigro und Gabriel Hürlimann 

Für weitere Informationen:http://repraesentativegewalt.zhdk.ch 

Kunstakademie Düsseldorf

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